Auf dieser Seite möchte ich Ihnen persönliche Einblicke in mein Leben, meine Erfahrungen und meinen Weg im Umgang mit Depressionen geben.
Mit meinen Erfahrungen, persönlichen Aussagen und Erfolgen möchte ich Betroffenen und Angehörigen Mut machen, ihren eigenen Weg zurück in ein lebenswertes und selbstbestimmtes Leben finden zu können.
Dabei war dieser Weg keinesfalls immer einfach oder geradlinig. Es gab schwierige Zeiten, Rückschläge, viele persönliche Kämpfe und immer wieder Situationen, in denen ich kaum noch Hoffnung verspürte.
Doch gerade deshalb ist es mir wichtig zu zeigen, dass sich auch mit einer Depression vieles wieder verändern und verbessern kann — oft Schritt für Schritt und manchmal langsamer, als man es sich wünscht.
Heute bin ich dankbar für vieles, was ich auf diesem Weg lernen durfte und nun innerhalb meiner Selbsthilfearbeit an andere Betroffene und Angehörige weitergeben kann.
Mit Erhalt der Diagnose „Depressionen“ im Jahr 2006 war ich zunächst völlig überfordert und konnte mit diesem Begriff anfangs kaum etwas anfangen.
Doch wie beginnt man damit — und woher nimmt man die Kraft dazu? Auf diese Fragen fand ich damals zunächst keine Antworten und fühlte mich oft verzweifelt und hilflos.
Dabei wurde uns bewusst, wie viele Menschen — jede und jeder für sich — um Bewältigung kämpfen. Gleichzeitig erkannten wir auch die oft große Hilflosigkeit der Angehörigen.
Durch die Gruppe — aus der später ein Verein entstand — kamen auch wir selbst in unserer Krankheitsbewältigung weiter voran.
Als gläubiger Christ motivierte mich mein Glaube zusätzlich, für Menschen mit ähnlicher Krank-heitsbetroffenheit da zu sein.
In der Bibel fand ich hierzu den Vers: „Wer Gelegenheit hat, Gutes zu tun, und tut es trotzdem nicht, der wird vor Gott schuldig.“ (Jakobus 4,17 – Hoffnung für Alle).
Ich erkannte darin meine persönliche Gelegenheit, Gutes zu tun und begann aus dieser Motivation heraus mein ehrenamtliches Engagement als Leiter einer Depressionsselbsthilfe-gruppe in Erfurt / Thüringen.
Olaf Lindenlaub, ein an Depressionen erkrankter, hoch-sensibler, dankbarer Mensch, der sein Leben trotz vieler Schwierigkeiten wieder neu annehmen und gestalten lernen durfte. Dabei halfen mir besonders:
Auch die für mich so lebensverändernde Magen- OP (am 16.07.2020 in Erfurt durchgeführt), die ich auf meiner 2. privaten Homepage: -► MeineMagenOP.de thematisiere, gehört zu meinem persönlichem Weg dazu.
Iihre "empathischen Fähigkeiten" sind menschlich unerreichbar und gerade in schwierigen Zeiten können ihre Ruhe, ihre Bedürfnislosigkeit und ihre ganz eigene Art der Nähe unglaublich wohltuend sein. | |
Als ich die nebenstehende Postkarte bekam, wurde mir bewusst, dass - obwohl von vielen Freunden(?), der Gesellschaft und dem Arbeitsmarkt "aussortiert" - ich trotzdem noch zu etwas nützlich sein und eine wichtige und erfüllende Aufgabe im Leben finden kann. Ich bin sehr dankbar dafür, trotz meiner gesundheitlichen Einschränkungen diese besondere Aufgabe ehrenamtlich ausüben und denen weiter helfen zu können, die sich ähnlich hilflos, allein oder unverstanden fühlen - so wie ich es selbst erlebt habe. | |
Der alte Brunnen Der alte Brunnen spendet leise, Mein Leben sollt dem Brunnen gleichen, Da sagt er mir als Jochgeselle*: Nun leb ich nach des Brunnens Weise, A. Kleemann * gemeint ist: "ein im Dienst stehender" | Sicher fragt sich manche/r, wie ich trotz meiner gesundheitlichen Einschränkungen Gesprächsgruppenlei-ter einer Depressionssselbsthilfegruppe und Webmaster dieser Homepage - sein kann? Woher nehme ich meine Kraft, Energie und mein Durch-haltevermögen kommt? Die Antwort darauf fand ich / bekommen Sie im neben-stehenden Gedicht. "„Ich bin ja Brunnen nur, nicht Quelle! Das fühle ich immer wieder auch in meiner Selbsthilfe-arbeit. Hier bin ich geachtet, respektiert, kann meine Er-fahrungen weiter geben und im Gegenzug von denen der anderen lernen. Im vertrauensvollen Miteinander gewähren mir Menschen oft tiefe Einblicke in ihr Leben und ermöglichen mir, ihnen in ihren ganz besonderen induviduellen Leidens-situationen Hilfe anbieten zu können. Obwohl das oft sehr viel Kraft kostet, fühle ich, wie mir diese Krast "zuströmt". Ich "werde befähigt", jede Woche die Verantwortung für die Gruppenabende zu über-nehmen, Einzel-/Beratungsgespräche anbieten und auch dazu, dem allen überhaupt kognitiv gewachsen sein zu können. |
Halt und Zuversicht im Glauben
Sie wurden mir im Umgang mit der Erkrankung Depressionen und deren alltäglicher Bewältigung immer wichtiger und hilfreicher.
Ganz besonders in den Phasen tiefer Abstürze, wenn scheinbar „nichts mehr geht“ und sich Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit und sehr dunkle Gedanken immer mehr ausbreitete, fühlte ich mich oft vollkommen allein und innerlich abgeschnitten — trotz der Liebe und Nähe meiner sehr verständnisvollen Frau. Doch auch sie konnte mir nicht in die Tiefen folgen, in die ich immer wieder abstürzte.
Für andere Menschen ist nur schwer nachvollziehbar, wie sich solche depressiven Abstürze anfühlen und wie tief sie einen Menschen innerlich hinabziehen können.
Doch gerade in diesen Momenten wurde mir mein Glaube zu einem Halt, den ich auf besondere Weise als Nähe, Trost und innere Begleitung erlebt habe.
Vielleicht sehen das manche Menschen ganz anders, aber für mich wurden diese persönlichen Erfahrungen zu etwas sehr Wertvollem und Tragendem und oft zum letzten Halt innerhalb meines Lebens.
Wie sich die Bibel äußert, will da Jemand bei uns sein, "alle Tage ... bis an der Welt Ende"! - auch in diesen tiefen Abstürzen in die vermeintliche Sinnlosigkeit des eigenen Lebens hinien.
Doch ist das nicht nur die verzweifelte Spinnerei eines psychisch völlig an seinem Ende angekommenen Menschen?
In Psalm 50, V. 15 heißt es: "... Rufet mich an in der Stunde der Not und ich werde Euch erretten"! - doch wer glaubt denn sowas?
Antwort: "Wer es erlebt hat!"
Doch durch dieses Erleben entstand in mir immer mehr die Gewissheit, auch in den dunkelsten Phasen meines Lebens nicht allein zu sein.
Was sich dadurch verändert hat
Durch diese Erfahrungen veränderte sich mein Umgang mit den depressiven Abstürzen nach und nach, obwohl die Depression dadurch keineswegs einfach aus meinem Leben verschwand und es auch heute noch schwierige Phasen und belastende Tage gibt.
Doch die Angst vor diesen Abstürzen verlor zunehmend ihren früheren Schrecken.
Ich lernte immer mehr, die Signale meiner Psyche bewusster wahrzunehmen, Grenzen ernster zu nehmen und notwendige Veränderungen im eigenen Leben nicht mehr dauerhaft zu ignorieren.
Dadurch entstand Schritt für Schritt eine neue Form von Stabilität und ein deutlich bewussterer Umgang mit meinen Kräften, Möglichkeiten und Belastungsgrenzen.
Heute weiß ich, dass ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben trotz Depressionen möglich sein kann - auch wenn der Weg dorthin oft lang, anstrengend und von vielen kleinen Schritten geprägt ist.
Enttäuschungen, Beziehungen und was ich daraus gelernt habe
Viele von uns erleben im Laufe ihrer Erkrankung immer wieder Enttäuschungen, Rückzüge anderer Menschen und auch tiefe persönliche Verletzungen.
Manche langjährigen Freundschaften oder Beziehungen verändern sich plötzlich oder brechen sogar vollständig ab — oftmals ohne wirkliche Erklärung oder nachvollziehbaren Grund. Heute wird dafür häufig auch der Begriff Ghosting verwendet.
Dabei spielt aus meiner Sicht oft eine schwierige „Zwischenposition“ eine Rolle, da man für viele gesunde Menschen mit seinen Depressionen häufig „zu krank“ ist, während man für andere Betroffene manchmal scheinbar bereits wieder „zu stabil“ wirkt.
Nicht wenige Menschen setzen sich nur oberflächlich mit der Erkrankung Depressionen auseinander und reagieren deshalb mit Unverständnis, Rückzug oder verletzenden Aussagen.
Umgekehrt können selbst kleine Fortschritte, die man sich mit großer Kraft mühsam erarbeitet hat, bei anderen manchmal auch Neid oder Distanz auslösen.
Solche Erfahrungen haben meine Frau und mich persönlich sehr geprägt und unsere Sicht auf Beziehungen, Vertrauen und zwischenmenschliche Nähe deutlich verändert.
Jeder von uns musste lernen, besser auf sich selbst zu achten, Grenzen bewusster wahrzunehmen und sich emotional nicht mehr überall gleichermaßen zu öffnen.
Auch wenn diese Erkenntnisse oft schmerzhaft waren, gehören sie heute zu meinem persönlichen Weg und zu den Erfahrungen, aus denen ich viel gelernt habe.
Was solche und ähnliche Erfahrungen mit mir gemacht haben, habe ich mir in einigen sehr persönlichen Zeilen innerhalb des Beitrages: „Was mich nicht nur sehr ärgert, ...“ einmal von der Seele geschrieben.
Sie haben meine Sicht auf Beziehungen und zwischenmenschliche Nähe nachhaltig verändert — anders, als ich es mir früher jemals gewünscht hätte. Vieles davon musste ich jedoch als notwendigen Selbstschutz erst lernen.
Vielleicht auch deshalb — und angesichts unseres gemeinsamen Lebensalters — haben meine Frau und ich unseren Lebensmittelpunkt und unsere emotionale Nähe immer stärker auf unsere Tiere ausgerichtet.
Sie begegnen uns ohne Neid, Unehrlichkeit oder Hintergedanken, bleiben loyal und schenken uns eine Form von Nähe und Zuneigung, die das Herz wärmt, wenn es durch menschliche Enttäuschungen oft „kalt geworden“ ist.
Da wir gerade in zwischenmenschlichen Beziehungen immer wieder Verletzungen und Enttäuschungen erlebt haben, wurde uns im Laufe der Jahre bewusst, wie ehrlich, treu und verlässlich Tiere sein können.
Franz von Asissi* wird der folgende Spruch zugeschrieben:
Daß mir der Hund das Liebste sei,
sagst du, o Mensch, sei Sünde?
Der Hund ist mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde.
Dieser Spruch bedarf wohl kaum weiterer Worte.
*(1182 - 1226), eigentlich Giovanni Bernadone, katholischer Heiliger, Stifter des Franziskanerordens
Die darin enthaltene Botschaft - der ich mich anschließe - beschreibt für mich vieles von dem, was auch ich im Laufe meines Lebens und innerhalb meiner Selbsthilfearbeit erkannt und gelernt habe.
Deshalb möchte ich diesen Beitrag hier gerne mit Ihnen teilen.
Nehmen Sie sich etwas Zeit und hören Sie sich an, was dieser Mensch vielleicht auch Ihnen persönlich zu sagen hat:
Unsere „tierischen Therapeuten“
Eine große Freude und ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens sind unsere Tiere geworden, die wir gerne liebevoll unsere „tierischen Therapeuten“ nennen.
Sie schenken uns nicht nur Nähe, Ruhe und viele schöne Momente, sondern bringen auch immer wieder Leben, Begegnungen und herzliche Gespräche mit anderen Menschen mit sich.
Vor allem unsere Schildkröten sorgen dabei oft für große Begeisterung. Wenn sie möchten, dürfen die Kinder auch mal eine Schildkröte vorsichtig auf die Hand nehmen, sie streicheln und ganz aus der Nähe beobachten.
Das Staunen, die Neugier und die leuchtenden Augen der Kinder mitzuerleben, berührt uns immer wieder aufs Neue.
Aber auch unsere „Hundebande“ weckt viel Interesse. Beim Spazierengehen begegnen uns häufig interessierte und freundliche Menschen — besonders Kinder, die unsere Hunde aufmerksam, respektvoll und oft mit sichtbarer Freude beobachten.
Dabei entstehen immer wieder kleine, schöne Begegnungen und Gespräche, die uns viel Freude machen.
Gerade im Umgang mit Kindern erleben wir zudem einen schönen gegenseitigen Lerneffekt: Die Kinder lernen einen achtsamen, respektvollen und verantwortungsvollen Umgang mit Tieren, während unsere Hunde gleichzeitig lernen, ruhig und gelassen auf kindliche Bewegungen, Stimmen und Begegnungen zu reagieren.
Sie begleiten uns treu durch den Alltag, schenken Struktur, Nähe und oftmals genau die stillen Momente von Wärme und Verlässlichkeit, die im Leben so wichtig sind.
Im Folgenden möchte ich sie Ihnen deshalb etwas näher vorstellen:
"Abby", war der verschmusteste Hund, den man sich nur vorstellen kann. Ihre Lebensinhalte waren: Futtern, Schmusen, Kuscheln und möglichst un-ablässig gestreichelt werden. | "Sally" - unser kleines, schüchternes Hundemäd-chen retteten wir aus einer slowenischen Tötungs-station. |
"Ronja" - unser 3. liebes Hundekind - wurde am 28.04.2023 geboren. | "Fienchen" ist nun ein neues und weiteres Familien-mitglied geworden. |
"Ronja" ist inzwischen kein Welpe mehr, sondern eine junge Adoptivmutti, die ihre neue Aufgabe ganz wunderbar meistert und sehr liebevoll, zärtlich und behutsam mit ihrem Adoptivkind umgeht. | "Marnie" - unsere kleine „Mizilenz" und "Schokominze“ - war eigentlich eine Britisch- Kurzhaar, doch ihr Fellwachstum hat sich nicht an die Rassevorgaben gehalten und ist deutlich länger geworden. |
"Snoopy" - unser eigenwilliger Maincoon- Mix- Kater, wurde meiner Frau vor etlichen Jahren bei einem Hausbesuch zur Übernahme mitgegeben. | Die "Schildbürger" - wie wir unsere Schildkröten liebevoll nennen - bereiten uns sehr viel Freude und in ihrer Beobachtung kann man dabei ganz wunderbar entspannen und herunterfahren. |
Im Laufe der Jahre sind unsere Tiere für uns weit mehr als nur Haustiere geworden. Sie gehören zu unserer Familie, begleiten uns durch gute und schwere Zeiten und sind fester Bestandteil unseres Lebens.
Sie begleiten uns durch die Höhen und Tiefen des Lebens und geben uns mit ihrer Art immer wieder Kraft, Freude und emotionale Wärme.
Vielleicht stellen sich manche Menschen die Frage, ob Tiere tatsächlich dabei helfen können, besser mit Depressionen oder anderen seelischen Belastungen umzugehen.
Dazu gehören unter anderem:
- regelmäßige Versorgung,
- Tierarztkosten - ggf. eine Tierversicherung
- ggf. ein Tierhalterhaftpflicht- Versicherung
- die Hundesteuer
- bei einigen Bundesländern die kostenpflichtige Registerung im Hunderegister
- Erziehung - u. a. auch die Kosten für eine Hundeschule (wichtig und richtig)
- tägliche Bewegung, Geduld, Gefühl für das Tier
- ausreichend Zeit,
- eine "Hundepatenschaft" falls Sie mal Vertretung brauchen
- andere und tiergerechte Urlaubsplanung
- und eine dauerhaft verantwortungsvolle Betreuung.
Bedenken Sie im Vorfeld all diese Faktoren und prüfen sie, ob ein Hund oder ein anderes Tier wirklich in Ihr Leben passt und sie bereit sind, Ihr Leben tiergerecht umzustellen, damit nicht auch Ihr Tier irgendwann wegen Überforderung im Tierheim landet.
Im 18. Jahr meiner Arbeit innerhalb der Depressionsselbsthilfe habe ich einmal bewusst Bilanz gezogen und mich gefragt, was mich auf diesem langen Weg eigentlich geprägt und begleitet hat.
Dabei wurde mir deutlich, wie sehr mich die Selbsthilfearbeit nicht nur gefordert, sondern auch persönlich verändert und bereichert hat.
Viele Erfahrungen, Begegnungen und auch schwierige Zeiten haben dazu beigetragen, mein Leben, meine Sichtweisen und meinen Umgang mit der Erkrankung neu zu verstehen und mich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.
Auch nach vielen Jahren innerhalb der Depressionsselbsthilfearbeit stellte sich für mich irgendwann die Frage, ob und wie dieser Weg weitergehen soll.
Nach unserem Umzug nach Ostfriesland nahm ich mir deshalb bewusst Zeit, vieles zu über-denken, mich selbst ehrlich zu prüfen und gemeinsam mit meiner Frau darüber zu sprechen, ob ich erneut die Verantwortung für eine Selbsthilfegruppe übernehmen kann und möchte.
Schließlich entstand daraus erneut ein klares „Ja“ und es reifte Schritt für Schritt die Entscheidung, auch an unserem neuen Wohnort wieder eine Selbsthilfegruppe für Betroffene und Angehörige ins Leben zu rufen. Außerdem traf ich die Entscheidung, diese Homepage neu aufzubauen beziehungsweise weiterzuführen.
Im Laufe meiner Selbsthilfearbeit sind viele Gedanken, persönliche Erfahrungen, Gedichte und Texte entstanden, mit denen ich anderen Betroffenen und Angehörigen Mut machen, Hoffnung vermitteln oder einfach Denkanstöße weitergeben möchte.
Manche dieser Texte beschreiben sehr persönliche Erfahrungen, andere sollen Trost spenden, zum Nachdenken anregen oder dabei helfen, den eigenen Weg Schritt für Schritt weiter-zugehen.
Im Folgenden finden Sie (demnächst) deshalb einige weiterführende Beiträge, Gedichte und persönliche Gedanken, die mir im Laufe der Jahre besonders wichtig geworden sind:
- -► Wie es weitergeht mit der Depressions-Selbsthilfearbeit
- -► Der mühevolle Weg der kleinen Schritte
- -► Gute Wünsche und mehr
- -► Meine Biografie
Als ich 2006 erstmals die konkrete Diagnose „Depressionen“ erhielt, begann für mich ein Weg mit einem „Lebensbegleiter“, den ich nie haben wollte und der sich dennoch ungefragt in mein Leben gedrängt hatte.
Carl Gustav Jung — Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie — formulierte dazu einmal die sehr nachdenkenswerten Worte:
Wenn sie an deine Tür klopft,
bitte sie an deinen Tisch und frage sie,
was sie dir zu sagen hat.“
- die „schwarze Dame“ der Depression überhaupt an meinen Tisch zu bitten,
- noch länger, sie zu fragen, was sie mir sagen möchte,
- und länger als alles andere, ihre Sprache überhaupt verstehen zu lernen.
Irgendwann begann ich jedoch zu erkennen, dass ich nicht einfach wieder so leben konnte wie zuvor und dass oft umfassende Veränderungen notwendig waren — in meinem Denken, meinem Alltag, meinen Beziehungen und auch im Umgang mit meinen eigenen Kräften und Grenzen.
Doch irgendwann begann ich zu begreifen, dass ich nicht einfach wieder — aber auch nicht unverändert weiter — so leben konnte wie bisher.
Trotzdem hatte diese Erkrankung vieles in mir verändert, auch wenn ich äußerlich derselbe Mensch geblieben war. Meine Gefühlswelt, meine Wahrnehmung und mein inneres Erleben fühlten sich plötzlich völlig anders und oft einfach nur noch chaotisch an.
Mit der Zeit wurde mir bewusst, dass ich auch viele Beziehungen und Erwartungen in meinem persönlichen Umfeld neu betrachten musste.
Manche Menschen kamen plötzlich nicht mehr damit zurecht, dass ich ihre Wünsche und Erwartungen:
- „Kannst Du mal ...?“
- „Hast Du mal ...?“
- „Machst Du mal ...?“
Ich musste deshalb lernen, mit gutem Gewissen auch einmal „Nein“ zu sagen — nicht aus Ablehnung, sondern weil ich zu einem „Ja“ oft schlicht nicht mehr in der Lage war.
Mit diesen notwendigen Veränderungen — aber vor allem mit der Hilfe Gottes und der Unterstützung meiner lieben Frau — gelang es uns Schritt für Schritt, den Weg aus dem tiefsten Tal der Depression wieder herauszufinden.
Dabei begann ich langsam zu verstehen, was es bedeuten könnte, die „schwarze Dame“ der Depression tatsächlich „an meinen Tisch zu bitten“ und ihr zuzuhören.
Je mehr ich begann, Begrenzungen und Belastungsgrenzen ernst zu nehmen und unser Leben bewusster zu verändern, desto mehr entwickelte sich Schritt für Schritt ein neues Lebensgefühl.
Genau dadurch wurde es mir wieder möglich, glücklich zu werden und mein Leben trotz aller Einschränkungen als erfüllend zu empfinden.
Wie dieses neue Leben ganz praktisch aussehen könnte, verstand ich anfangs selbst nur sehr langsam.
Erst durch den Austausch mit anderen Betroffenen begann ich zu erkennen, dass gerade die eigenen Erfahrungen mit der Erkrankung auch zu einer Stärke und einem wichtigen Erfahrungsschatz werden können.
Dadurch entstand für mich Schritt für Schritt die Möglichkeit, mein eigenes Erleben und meine Erfahrungen innerhalb der Selbsthilfearbeit sinnvoll einzubringen und gleichzeitig auch selbst immer weiter von anderen Menschen dazuzulernen.
Dazu gehörte auch, manche Gewohnheiten zu verändern, die uns dauerhaft eher belasteten als guttaten.
So bemerkten wir beispielsweise irgendwann, wie sehr uns der ständige Fernsehkonsum, das dauernde Umschalten und die permanente Reizüberflutung erschöpften — insbesondere auch im Zusammenhang mit unserer Hochsensibilität.
Deshalb entschieden wir uns bewusst dafür, das klassische Fernsehen weitgehend aus unserem Alltag zu entfernen und stattdessen gezielt gemeinsam ausgewählte Inhalte über das Internet anzusehen.
Dadurch entstand nicht nur mehr Ruhe, sondern auch deutlich mehr gemeinsame Zeit, mehr bewusste Gespräche und mehr Raum für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.
Auch die Wahrnehmung für die Schönheit der Natur, für kleine Momente und für vieles scheinbar Selbstverständliche kehrte dadurch Schritt für Schritt wieder zurück.
Die Aufgaben innerhalb meiner Selbsthilfearbeit geben meinem Leben heute wieder Sinn, Erfüllung und das Gefühl, trotz aller gesundheitlichen Einschränkungen eine wichtige und wertvolle Aufgabe gefunden zu haben.
Mit meinen eigenen Erfahrungen, meinem Wissen und dem, was ich innerhalb vieler Jahre Selbsthilfearbeit lernen durfte, kann ich heute anderen Betroffenen und Angehörigen unterstützend zur Seite stehen.
Dabei wurde mir immer deutlicher, dass gerade die eigenen Krisen und schwierigen Erfahrungen nicht nur Belastung sein müssen, sondern auch zu einem besonderen Erfahrungs- und Verständnisvermögen führen können.
der, an dem du geboren wirst —
und der, an dem du herausfindest wofür.“
Eine interessantere und menschlich wertvollere Aufgabe kann ich mir persönlich kaum vorstellen — auch wenn sie manchmal anstrengend ist und immer wieder Kraft kostet.
Genau dazu möchte ich Sie mit diesen Zeilen motivieren. Geben Sie sich nicht auf.
Warum sollten Sie nicht auch schaffen können, was ich selbst früher oft für unmöglich gehalten habe?
Trotzdem kann genau dieser Weg Schritt für Schritt Veränderungen möglich machen.
Auch schwierige oder schmerzhafte Erfahrungen haben mir letztlich gezeigt,
- wohin ein Weg nicht führt,
- was mir nicht guttut
- und welche Veränderungen notwendig waren.
Dieser Weg hat mir vieles abverlangt, mich gleichzeitig aber auch auf besondere Weise bereichert und verändert.
Er führte mich — trotz aller Schwierigkeiten — näher zu mir selbst, zu anderen Menschen, zu meiner Berufung und zu einem bewussteren Leben zurück.
Schlaflosigkeit und Gedankenkreisen
Viele Menschen mit Depressionen kennen Schlafprobleme, innere Unruhe und das ständige „Gedankenkarussell“, das sich besonders nachts kaum abschalten lässt.
Auch ich kenne solche schlaflosen oder schlafarmen Nächte nur zu gut.
In einer dieser Nächte setzte ich mich an den Computer und versuchte, meine Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen.
Daraus entstand das mein Gedicht: Schlaflos!
Vielleicht finden sich manche Betroffene darin ein wenig wieder oder entdecken darin Gedanken und Gefühle, die ihnen vertraut vorkommen.
Abschließende persönliche Gedanken
Auch wenn Depressionen das Leben oft tief erschüttern und verändern können, bedeutet diese Erkrankung nicht das Ende von Hoffnung, Lebensfreude oder einem erfüllten Leben.
Der Weg zurück verläuft selten schnell oder geradlinig — aber er ist möglich, besonders dann, wenn man beginnt, sich Hilfe zu öffnen und nicht völlig allein zu bleiben.
Gerade der Austausch mit anderen Betroffenen hat mir persönlich sehr geholfen, mich selbst besser zu verstehen, neue Perspektiven zu entwickeln, Schritt für Schritt wieder Hoffnung zu finden und den Weg zurück in eine wieder selbstbestimmtes und glückliches Leben zu finden.
Deshalb möchte ich Ihnen Mut machen, Ihren eigenen Weg nicht aufzugeben — selbst dann nicht, wenn im Moment vieles aussichtslos erscheint.
Niemand muss diesen Weg alleine gehen. Holen auch Sie sich Hilfe und Wegbegleitung.
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