Lebensumwege-Selbsthilfe-bei-Depressionen
für an Depressionen erkrankte Menschen und ihre Angehörigen

Der Gutachter kommt – Vorbereitung auf Begutachtung und Hausbesu-ch Wichtige Hinweise zu Verhalten, Unterlagen und Belastungssituationen.

Begutachtungen zur Feststellung einer MdE (Minderung der Erwerbsfähigkeit), eines GdB (Grad der Behinderung) oder eines Pflegegrades stellen für viele Betroffene eine belastende und verunsichernde Situation dar.
Umso wichtiger ist es, Ruhe zu bewahren und sich möglichst gut auf den Hausbesuch oder eine telefonische Begutachtung vorzubereiten.
Auf dieser Seite finden Sie Hinweise zu wichtigen Vorbereitungen, benötigten Unterlagen sowie zum Verhalten während der Begutachtung.

Medizinische Unterlagen und Nachweise sollten Sie möglichst frühzeitig  für die  anstehende Begutachtung bereitlegen oder diese ggf. dafür noch von Ihren behandelnden Ärzten und Therapeuten einholen.

Dazu gehören insbesondere:
  • ein aktueller Medikationsplan
  • Nachweise laufender Verordnungen oder Behandlungen
  • Teilnahmebescheinigungen an Kursen Ihrer Krankenkasse, wie z.B. Rückenschule, orthopädisches Schwimmen, Enährungsberatung usw. 
  • Bescheinigungen chronischer Erkrankungen
  • Nachweis einer Schwerbeschädigung - falls Sie diese haben
  • aktuelle Befund- und Therapieberichte
  • Entlassungsberichte von Klinik-, Reha- oder Kuraufenthalten
  • bereits vorhandene Gutachten
  • fachärztliche Einschätzungen
  • eine Übersicht Ihrer behandelnden Ärzte und Therapeuten
Eigene Angaben sowie eine gute Vorbereitung  u. a. auch mit Ihren persönlichen Auf-zeichnungen - können sehr hilfreich sein, um die tatsächliche Alltagssituation möglichst voll-ständig und anschaulich darzustellen.

Hierzu sollte auch eine sogenannte Eigenanamnese gehören.
Darin können Ihre Beschwerden, Belastungen, Einschränkungen im Alltag und der persönliche Hilfebedarf möglichst übersichtlich und nachvollziehbar mit eigenen Worten beschrieben werden.
Falls Ihnen dies schwerfällt, kann eine vertraute Person Sie dabei unterstützen oder die Zusam-menfassung nach Ihren Angaben mit erstellen. Dies sollte dann entsprechend vermerkt werden.

Zu einer guten Vorbereitung gehören außerdem:
  • eine Übersicht vorhandener Heil- und Hilfsmittel
  • Angaben zu bestehenden Hilfeleistungen im Alltag
  • eine möglichst übersichtliche Aufstellung darüber, welche Hilfeleistungen Angehörige, Freunde, Nachbarn oder andere unterstützende Personen regelmäßig übernehmen und in welchem zeitlichen Umfang diese Unterstützung täglich, wöchentlich oder monatlich erfolgt
  • Angaben zu bestehenden Betreuungen oder gesetzlichen Vertretungen
  • Informationen zu Selbsthilfegruppen- Besuchen oder anderen von Ihnen wahr-genommenen Unterstützungsangeboten
  • eigene Aufzeichnungen über besondere Belastungen und Einschränkungen im Alltag
Während der Begutachtung sollten Sie versuchen, sich auch mental möglichst gut darauf einzustellen.
Wichtig ist vor allem, Ihre tatsächliche Alltagssituation möglichst realistisch darzustellen.
Beschönigen Sie Ihre Einschränkungen daher nicht, vermeiden Sie aber ebenso Übertreibungen oder ein „Schauspielern“ Ihrer Beschwerden.

Orientieren Sie sich bei Ihren Antworten und Schilderungen vielmehr an Ihrem persönlich schlechtestmöglichen Zustand, wie er Ihnen aus Ihrem Alltag bekannt ist.
Versuchen Sie außerdem nicht, sich besonders zusammenzureißen oder einen besseren Ein-druck Ihrer Belastbarkeit zu vermitteln, als dies tatsächlich der Fall ist.

Beschreiben Sie gesundheitliche, körperliche, psychische oder alltägliche Einschränkungen möglichst ehrlich, nachvollziehbar und konkret — auch dann, wenn Ihnen bestimmte unangenehm oder peinlich sein sollten.
Dazu gehören beispielsweise auch Schwierigkeiten bei der Körperpflege, bei Bewegungen, im Haushalt, bei sozialen Kontakten oder bei alltäglichen Verrichtungen, die nur noch ein-geschränkt oder nur mit Unterstützung möglich sind.

Wichtig ist außerdem, dass Sie dem Gutachter mitteilen, wenn Sie sich überfordert fühlen oder an Ihre Belastungsgrenzen kommen oder das dies auch die Sie begleitende Person deutlich macht, wenn sie es bei Ihnen wahr nimmt.
Während einer Begutachtung findet gleichzeitig auch eine sogenannte Belastungs-erprobung statt.
Sie ist ein zentrales Verfahren im Rahmen psychischer Gutachten, insbesondere zur Beurteilung der Erwerbsfähigkeit nach längerer Erkrankung und dient dazu, die psychische, physische und kognitive Leistungsfähigkeit unter realitätsnahen Bedingungen zu prüfen

Dabei beobachtet der Gutachter unter anderem, wie belastbar Sie in der jeweiligen Situation sind, wie Sie mit Anforderungen umgehen und ob Sie durch die Untersuchung oder Befragung erkennbar überfordert werden.

Versuchen Sie deshalb nicht, Belastungen zu verbergen oder Ihre tatsächlichen Grenzen zu überspielen.

Wenn Ihnen die Situation zu viel wird, Sie nicht mehr folgen können oder sich deutlich überfordert fühlen, sollten Sie dies dem Gutachter unbedingt mitteilen.
Wichtig ist dabei vor allem, eine solche Situation nicht „durchzuhalten“, obwohl Ihre Belastungsgrenze bereits erreicht ist.
Bitten Sie in diesem Fall ausdrücklich um eine kurze Pause.

Die Belastungserprobung dient unter anderem auch der Einschätzung Ihrer psychischen und körperlichen Belastbarkeit und fließt später in die Gesamtbewertung mit ein.
Telefonische Begutachtung und Stellvertreterregelung sind innerhalb einer Begut-achtung ein Sachverhalt, der ggf. auch Ihnen im Zusammenhang damit begegnen kann.

In bestimmten Situationen kann eine Begutachtung auch telefonisch durchgeführt werden.
Dabei werden Sie im Rahmen eines zuvor angekündigten Termins zu Ihrer gesundheitlichen Situation, Ihren Einschränkungen und Ihrem Unterstützungsbedarf befragt.

Sollten Sie sich einer solchen Befragung nicht gewachsen fühlen, besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit einer sogenannten Stellvertreterbefragung.
Hierüber sollten Sie den Medizinischen Dienst möglichst frühzeitig informieren und die Gründe dafür kurz erläutern.
Wichtig ist dabei, dass die Sie unterstützende Person mit Ihrer gesundheitlichen Situation und Ihren alltäglichen Einschränkungen möglichst gut vertraut ist.
Außerdem sollte sich diese Person während der telefonischen Begutachtung gemeinsam mit Ihnen in Ihrer Wohnung aufhalten, damit mögliche Rückfragen unmittelbar geklärt werden können.

Sinnvoll ist es zudem, wenn während der Befragung alle wichtigen Unterlagen und Dokumente griffbereit vorliegen — auch dann, wenn diese bereits vorab eingereicht wurden.
Zusätzliche Unterstützung kann häufig auch durch örtliche Pflegedienste, unterstützende Einrichtungen oder anerkannte Angebote der Nachbarschaftshilfe erfolgen.
Bereits ab Antragstellung können — je nach persönlicher Situation und Anbieter — verschiedene Hilfen, Beratungen oder vorbereitende Unterstützungsleistungen vereinbart werden.


Dazu können beispielsweise gehören:
  • Unterstützung im Haushalt
  • Hilfe bei Einkäufen oder Besorgungen
  • Begleitung zu Ärzten oder Behörden
  • Unterstützung bei der Körperpflege
  • zeitweise Entlastung pflegender Angehöriger
  • Beratung zur Begutachtung und Vorbereitung auf den Termin
  • Hilfe bei möglichen Widersprüchen
  • Begleitung während der Begutachtung
Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Leistungen der sogenannten Nachbarschaftshilfe über die Pflegeversicherung beziehungsweise den Entlastungsbetrag berücksichtigt werden.
Da hierfür je nach Bundesland unterschiedliche Regelungen und Voraussetzungen gelten können, empfiehlt es sich, dies frühzeitig mit der Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt abzuklären.
Die Dauer einer Begutachtung kann — abhängig von Art, Umfang und Komplexität der gesundheitlichen Situation — unterschiedlich ausfallen.
In vielen Fällen sollten Sie sich jedoch darauf einstellen, dass eine Begutachtung ungefähr ein bis zwei Stunden in Anspruch nehmen kann.
Dies gilt sowohl für Hausbesuche als auch für telefonische Begutachtungen.
Als abschließenden Hinweis möchte ich Ihnen raten, sich gut vorzubereiten. Das hilft, mehr Sicherheit im Umgang mit der Begutachtung zu bekommen.
Nehmen Sie sich die Zeit, wichtige Unterlagen und Informationen möglichst frühzeitig zusammenzustellen und holen Sie sich — wenn möglich — Unterstützung durch vertraute Personen oder geeignete Beratungsangebote.
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