Lebensumwege-Selbsthilfe-bei-Depressionen
für an Depressionen erkrankte Menschen und ihre Angehörigen

... aus den Erfahrungen von Gruppenmitgliedern, die Mut machen, Hoffnung vermitteln und vielleicht auch Inspiration sein können.

Andreas erinnert daran, wie oft wir - teilweise sogar laut - über uns selbst schimpfen. Personen - die das zufällig mitbekommen - nehmen das als völlig normal hin und niemand wundert sich darüber.
"Doch was wäre, wenn wir uns - auch mal laut - selbst loben?. Unsere Mitmenschen würden uns sicher etwas seltsam betrachten.
Aber genau das 'sich selbst mal loben', steigert unser Selbstwertgefühl und wir bieten unserer Seele mal etwas anders an, als oft nur über uns selbst zu schimpfen.
Probiert Sie es aus und spüren Sie, wie es auch Ihnen damit besser geht".
Rebecca berichtet: "3 Dinge halfen mir besonders: Offenheit im sozialen Umfeld, die App 'Finch' und Sport.
Offen über meine Gefühle zu sprechen nahm Druck, Schuld und Verstecken – und die Unterstützung von Familie und Freunden gab mir Kraft.
Die App „Finch“ begleitete mich täglich mit kleinen Impulsen und half mir, meine Stimmung besser zu verstehen.
Über Tage und Monate hinweg, konnte ich durch kleine Statistiken beobachten, wie meine Stimmungen waren. Ich bekam ein Bild meines seelischen Zustandes und erkannte – auch wenn ich mich manchmal nicht so fühlte – dass sich meine Grundstimmung langsam verbesserte.
Obwohl Sport mir anfangs schwerfiel, gab er mir durch die Bewegung in der Natur kleine Erfolgserlebnisse, vermittelte positive Gefühle, einen Hauch von Glücklichsein und brachte mir zunehmend Energie und neue Hoffnung".
Uwe schreibt: "Mir tut die Gruppe gut, weil ich offener über meine Gefühle sprechen, Fragen stellen und auch Antworten bekommen kann.
Mir helfen Yoga und Qigong, aber vor allem auch Atemübungen, weswegen ich mir eine CD zugelegt habe, mit der ich diese ganz bewusst mache und dabei entspannt im Sessel sitze
".
Christin schreibt über ein sehr ernstes Thema. "Depression und Alkohol hängen oft zusammen, werden aber selten offen thematisiert. Alkohol kann scheinbar kurzfristig entlasten – etwa bei Schlafproblemen oder Grübeln –, jedoch verschlechtert er die Situation langfristig und noch mehr.
Auch bei mir wurde er zunehmend zum Ausweg, bis mir durch einen offenen Hinweis von außen bewusst wurde, wie ernst es war. Erst das ehrliche Ansprechen und mein eigenes Eingeständnis halfen mir, rechtzeitig gegenzusteuern bevor zur Depression auch noch eine Alkoholsucht dazukam
Rückblickend zeigt sich: Viele sind betroffen, doch oft fehlt der Mut, darüber zu sprechen – dabei kann genau das der entscheidende Schritt zur Hilfe sein.
Das vertraute und sichere Umfeld einer Selbsthilfegruppe hilft, darüber zu sprechen und so Hilfe zu erhalten
".
Olaf überlegt:Als Gruppenleiter liegen mir alle Mitglieder der Gruppe gleichermaßen am Herzen. Ich leide, aber freue mich auch mit ihnen und bemühe mich, ihnen in schlechten Stimmungslagen und Situationen helfen zu können.
Innerhalb des Gruppengeschehens bin ich Moderator und Mediator, muss mal schlichten, beruhigen und vermitteln, um unseren Umgang miteinander wertvoller, konstruktiver und ergiebiger für unsere Selbsthilfearbeit und somit für uns Alle zu gestalten.
Mir hilft dabei, meine Äußerungen vorher durch die '3 Siebe des Sokrates' zu „werfen“.
Lesen und prüfen Sie selbst, ob diese wertvolle Regel nicht jegliche Aussagen über- und untereinander bestimmen sollte
".
Marc schreibt: "Mir hilft Meditation morgens und abends und immer wieder der Aufenthalt in der Natur."
Kommentar Webmaster und Gruppenleiter: "Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg zur Entspannung finden. Methoden wie Meditation, bewusste Ruhe und Naturerleben – besonders in Kombination – helfen, innerlich herunterzufahren und neue Kraft zu schöpfen.
Tipp
Nehmen Sie Ihre Umgebung bewusst mit allen Sinnen wahr, z. B. bei einem Spaziergang. Die Natur bietet zu jeder Jahreszeit besondere Eindrücke und kann spürbar zur Entschleunigung und Erholung beitragen („Waldbaden“). Finden Sie heraus, was Ihnen guttut, und nutzen Sie die Kraft der Natur aktiv für Ihr Wohlbefinden und als Teil Ihrer Krankheitsbewältigung
".
Christinas Gedanken zur Gruppe beschreiben die tragende Komponente der Selbsthilfearbeit.
"Das Schönste ist das Angenommenwerden, mit allen Schwächen, Stärken, Facetten... einfach nur so... mit all unserer Ausstrahlung oder auch keiner. Es ist so schön, wenn sich Menschen auf diesen gemeinsamen Weg begegnen, zusammenwachsen, sich gegenseitig unterstützen um im Miteinander voran zu kommen".
Petra schreibt:Um damit fertig was mir die Erkrankung an Depressionene auferlegt und das immer wieder neu zu überwinden, versuche ich einen  Ausgleich im Tagesablauf zu finden. Ein Wechsel aus Phasen der An- und Entspannung, der Geselligkeit und Ruhe – in denen ich gerne allein bin – und Zeiten des Tätig- und Untätig- Seins wechseln sich bei mir ab.
Bestimmte Alltagsroutinen, wie häufig zu Fuß Einzukaufen oder zur Arbeit zu gehen, mein Hobby Handarbeiten zu verfolgen, oder abends zur Entspannung ein Bad nehmen, helfen mir, wenn das Gedankenkarussell nicht still stehen will.
Ich versuche, nicht zu viel für den einzelnen Tag zu planen und wenn ich mal schlecht drauf bin, gestatte ich es mir auch mal, ein paar Stunden durchzuhängen.
"
Doris berichtet: "Als Betroffene mit langjähriger Depression suchte ich den Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe. Nach mehreren Aufenthalten und passender Medikation war ich bereit, aktiv etwas zu verändern.
Der Erstkontakt zur SHG „Lebensumwege“ verlief sehr positiv, ich wurde behutsam aufgenommen, zu nichts gedrängt und konnte einfach ankommen. Offen über mich zu sprechen war neu für mich – und tat gut.
Mit der Zeit wurde die Teilnahme für mich immer wichtiger und ich machte spürbare Fortschritte.
Rückblickend war die Selbsthilfegruppe ein entscheidender Baustein auf meinem Weg zurück in die Normalität
".

Olaf lässt uns am nachfolgenden Geburtstagsgruß teilhaben:
Wir wünschen Dir Mut

  • … zu fragen, wenn Du nicht weiter weißt;
  • … zu bitten, wenn Du etwas brauchst;
  • … nein zu sagen, wenn es Dir zu viel wird;
  • … abzugrenzen, wenn Du bedroht bist;
  • … für Dich einzustehen, wenn Du angegriffen wirst,
  • … zu helfen, wo Not ist;
  • … zu wagen, auch wenn Du nicht ganz sicher bist;
  • … unterwegs zu bleiben, trotz aller Zweifel;
  • … zu sein, wie Du bist.

(Max Feigenwinter)

Annette erzählt: "Mit schönen Zimmerdekorationen wie leuchtende Sonnen für Frühling und Sommer, für den Herbst lachende Drachen – wie man sie als Kind selbst gebastelt hat – und für den Winter einen lustigen Schneemann, schaffe ich mir schöne Akzente, die meine Stimmungen aufhellen".

René schreibt: "Ich lernte, dass es trotz des Missmutes und der Angst in schwierigen Situationen hilft, sich an vertraute Personen zu wenden und sich zu offenbaren, wie es um die eigenen Befindlichkeiten steht.
Obwohl man sich nur schwer durchringt, andere Personen mit seiner Schwermut zu belasten, aber geteiltes Leid ist nun mal halbes Leid.
Weil Angehörige oder vertraute Personen eine 'normale' Sicht auf die Dinge haben, können solche 'Einstiegsgespräche' erst einmal die schwerste Last nehmen.
In solchen Fällen ist definitiv Reden Gold und Schweigen nicht einmal Silber".
Karin empfiehlt: "Aus eigenen Erfahrungen kann ich für Betroffene und Angehörige immer wieder den Besuch einer Selbsthilfegruppe empfehlen. Haben Sie den Mut, sich dort zu informieren.
Man bekommt Unterstützung und im Erfahrungsaustausch hat man nicht mehr das Gefühl, damit alleingelassen zu sein.
Mit ihrer Hilfe fand ich meinen Weg, mit der Erkrankung umgehen zu lernen und mir geht es jetzt gut. Mir helfen auch die Entspannung durch Musik, Spaziergänge an frischer Luft, ein schöner Duft und auch ein Genuss - wie z.b. ein Stück Schokolade
".
Gerd meint: Tolle Sache mit den Tipps wie jeder versucht besser klar zu kommen"!
Meine Vorschläge, die für mich wichtig sind und mir - mal mehr mal weniger - weiter helfen sind:
  • zu versuchen alles das, was mir nicht passt zu klären, damit mein Kopf wieder frei ist
  • Hobbys haben und die auch pflegen (bei mir sind ist es Natur, mein Enkel, Sport und die Fotografie)
  • einige Bekannte und Freunde haben, um sich zu treffen und gemeinsam was zu unter-nehmen
  • eine Tätigkeit - sprich Aufgaben zu haben, um auch mal Erfolge zu erleben"
Dagmars Erleben: "Hallo Ihr Lieben, als ich mich das erste mal so hundeelend gefühlt habe, ließ mich meine Hausärztin abblitzen, also hab ich selber 'weitergewurstelt'.
Dann wechselte ich zu einem Arzt, der Verständnis für mich hatte, da er auch meine häusliche Situation kannte.
Ich bekam vorübergehend Beruhigungsmittel, Krankschreibung und Unterstützung beim Reha- Antrag. Dort hatte ich viel Zeit für mich, was mir so gut tat. Jetzt nehme ich wir auch weiterhin viel Zeit: zum Rad fahren, Schwimmen, Gassi gehen, lesen, Blumen züchten ...
".
Christoph gibt einen kurzen Einblick in die Biochemie und erklärt die Bedeutung von Vitamin D für den Körper.
"Sonnenlicht fördert die Bildung von Vitamin D in der Haut, das für die Produktion von L-Tryptophan benötigt wird – Grundlage für das „Glückshormon“ Serotonin.
Gehen Sie daher möglichst oft nach draußen – auch bei bewölktem Himmel. Studien zeigen, dass ein Großteil der Menschen unter Vitamin-D-Mangel leidet.
Viele berichten, dass Bewegung an der frischen Luft das Wohlbefinden deutlich verbessert. Der größte Gegner dabei ist oft der innere Schweinehund.
Gerade in der dunklen Jahreszeit ist es wichtig, möglichst viel Sonnenlicht zu nutzen, um die Vitamin-D-Versorgung zu unterstützen
".
Olaf bekennt: "Mir half mein christlicher Glaube, den ich in einer stabilen Ehe mit meiner lieben und verständnisvollen Frau lebe.
Durch ihn verstehe ich, dass alle Menschen – so wie es in der Bibel steht –   "... einzigartig und wunderbar gemacht ..." sind. Auch Kranke und Behinderte sind mit ihrem Potential etwas ganz Besonderes, wertvoll, wichtig und unverzichtbar für unsere Gesellschaft.
Trotzdem werden Menschen mit Depressionen noch immer abgewertet, ausgegrenzt und stigmatisierend behandelt.
Durch die Erkrankung lernte ich, Freundschaften kritisch zu hinterfragen, trennte mich von oberflächlichen Beziehungen und erkannte: Weniger, aber echte und tragfähige Verbindungen sind mehr wert.
Aber das Loch - in das ich zu fallen glaubte - tat sich gar nicht erst auf, da nur wenige, echte, tiefgründige und tragfähigen Beziehungen übrig blieben.
Wer mehr von mir und wie ich zur Selbsthilfe kam erfahren möchte, der kann hier mit Klick auf: -► über mich weiterlesen".
Michael Ende - der weltbekannten Schriftstellers und Autor eines sehr bekannten Kinderbuches - teilt uns durch die Figur des alten Straßenkehrers Beppo in seinem Buch eine lebenswichtige Weisheit mit, in der für uns alle ein wichtiger Schlüssel liegt:
Er verrät seiner kleinen Freundin Momo sein Geheimnis:

"Manchmal habe ich eine sehr lange Straße vor mir.
Ich denke, die ist so schrecklich lang; das kann ich niemals schaffen.
Und dann fange ich an, mich zu eilen und ich eile mich immer mehr.
Jedes Mal, wenn ich aufblicke, sehe ich, dass es gar nicht weniger wird,
was noch vor mir liegt.
Und ich strenge mich noch mehr an, ich kriege es mit der Angst
und zum Schluss bin ich ganz außer Atem und kann nicht mehr.
Und die Straße liegt immer noch vor mir.
So darf ich es nicht machen!
  • Ich darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?
  • Ich muss nur ...
  • an den nächsten Schritt denken,
  • an den nächsten Atemzug
  • an den nächsten Besenstrich.
  • und immer wieder nur an den nächsten.
Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann mache ich meine Sache gut und so soll es sein.
Auf einmal merke ich, dass ich Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht habe.
Ich habe gar nicht gemerkt wie und ich bin nicht außer Atem.
Das ist wichtig
"!
(Haben Sie die Geschichte erkannt? Sie stammt aus „MOMO“)
Ein wichtiger und wirklich sehr hilfreiche Tipp: Führen Sie ein Tagebuch
Ein sehr wertvolles, die Therapie unterstützendes Hilfsmittel ist ein Depressionstagebuch, auch wenn die Führung mit einem gewissen Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden ist. Scheuen Sie sich nicht davor, denn es bestätigt sich immer wieder, das Patienten, die ein Tagebuch führen, schnellere und bessere Fortschritte in der eigenen Depressionsbewältigung erleben.
Mehr dazu lesen Sie mit Klick auf: -► Führen Sie ein Tagebuch 
Achtung! Wichtig!: Antipsychotika nicht eigenmächtig absetzen
Antipsychotika werden bei verschiedenen psychischen Erkrankungen eingesetzt, etwa bei Schizophrenie oder ergänzend bei Depressionen. Im Gegensatz zu Antidepressiva wirken sie oft schon kurz nach Beginn der Einnahme.
Gerade deshalb sollten sie nicht eigenständig abgesetzt werden. Nebenwirkungen können belastend sein, sollten aber immer mit dem Arzt besprochen werden. Ein abruptes Absetzen kann zu schweren Rückfällen, wie einer Psychose, führen und sogar einen Klinikaufenthalt notwendig machen.
Daher sollte die Dosis nur unter ärztlicher Aufsicht schrittweise reduziert werden.
Alternativ ist auch eine Depotgabe per Injektion möglich, die heute dank moderner Verfahren deutlich weniger schmerzhaft ist.
© Lebensumwege-Selbsthilfe-bei-Depressionen - Selbsthilfe für Betroffene und Angehörige