Einen Therapieplatz zu finden, kann sehr anstrengend sein. Es gibt viele Informationsmöglichkeiten und man verliert schnell die Übersicht.
Viele stellen sich das am Anfang einfacher vor: anrufen, einen Termin bekommen und kann mit der Therapie anfangen.
Doch wie geht man eigentlich vor, wenn seelische Probleme belasten? Wie findet man den richtigen Therapieplatz – ambulant oder auch stationär?
In der Realität sieht es oft so aus – das mit langen Wartelisten und vielen Absagen zu rechen ist, man telefonisch nicht durchkommt oder manchmal auch gar keiner Rückmeldung erfolgt.
Viele Betroffene fragen sich irgendwann: „Warum ist das eigentlich so kompliziert“?
Die kurze Antwort ist: Es gibt deutlich mehr Menschen, die Hilfe brauchen, als verfügbare Therapieplätze.
In den letzten Jahren ist die Nachfrage stark gestiegen. Gleichzeitig ist die Anzahl an Therapieplätzen begrenzt geblieben.
Das führt dazu, dass viele Praxen ausgelastet sind und keine neuen Patienten aufnehmen können und das bedeutet leider oft:
- lange Wartezeiten
- volle Wartelisten
- viele Absagen
Ein Wichtiger Hinweis:
Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden oder merken, dass es Ihnen sehr schlecht geht, sollten Sie nicht auf einen regulären Therapieplatz warten. In solchen Situationen ist schnelle Hilfe wichtig (siehe Seite „Hilfen“).
Erster Schritt: Wo suche ich überhaupt?
Da am Anfang oft die Frage steht: Wo soll ich anfangen zu suchen?, möchte ich mehrere Wege aufzeigen, die Sie parallel nutzen können:
- Hausarztpraxis (erste Einschätzung und mögliche Unterstützung bei der Suche)
- Online-Suchportale → Bundespsychotherapeutenkammer → Psychotherapeutensuche
- Krankenkassen (Übersichten und Vermittlung)
- Terminservicestelle unter 116 117
- Ein erster Termin – die sogenannte psychotherapeutische Sprechstunde – ist häufig schneller zu bekommen als ein fester Therapieplatz
- Daraus ergibt sich in den meisten Fällen jedoch kein fortlaufender Therapieplatz
- Der Termin dient vor allem der ersten Einschätzung und Orientierung
- Obwohl das noch keine Therapie ist, kann es aber ein wichtiger, erster Schritt sein
Nächster Schritt: Strategie statt Zufall – so erhöhen Sie Ihre Chancen
Viele starten mit ein oder zwei Anrufen und sind dann schnell frustriert, wenn es nicht klappt.
Leider ist es realistisch oft so, das ein einzelner Versuch in den meisten Fällen nicht ausreicht.
Stattdessen kann es helfen, wenn Sie die Suche etwas strukturierter anzugehen:
- Kontaktieren Sie mehrere Praxen parallel
- Versuchen Sie es zu unterschiedlichen Zeiten (nicht nur vormittags)
- Nutzen Sie sowohl Telefon als auch E-Mail
- Fragen Sie gezielt nach Wartelisten oder Rückrufmöglichkeiten
Eine einfache Liste kann dabei unterstützen:
- Wen habe ich kontaktiert?
- Wann habe ich es versucht?
- Gab es eine Rückmeldung?Das, was zunächst nach zusätzlichem Aufwand klingt, hilft aber in der Praxis, den Überblick zu behalten und erspart Ihnen, immer wieder von vorne anfangen zu müssen.
Wichtig dabei:
- Sie müssen nicht alles auf einmal schaffen.
- Es reicht, Schritt für Schritt vorzugehen – in Ihrem Tempo.
Umgang mit Absagen und Wartezeiten
Weil Absagen auf der Suche nach einem Therapieplatz für viele leider dazu gehören, kann das frustrierend und mit der Zeit auch entmutigend sein.
Vielleicht kennen Sie Gedanken wie:
- „Ich bin nicht wichtig genug“
- „Andere brauchen den Platz wohl dringender“
- „Es bringt sowieso nichts“
Solche Gedanken sind verständlich, gerade dann, wenn man ohnehin schon belastet ist.
Dann ist es besonmders wichtig zu wissen zu wissen, das eine Absage keine persönliche Entscheidung gegen Sie ist.
Sie bedeutet meist einfach: Die Praxis ist ausgelastet.
Wichtig zu verstehen:
Sie sagen nichts über den Schweregrad Ihrer Situation oder Ihren „Anspruch“ auf Hilfe aus.
Wichtiger Hinweis:
Wenn Sie merken, dass Sie sich durch die Suche zunehmend schlechter fühlen oder die Belastung zu groß wird, holen Sie sich bitte frühzeitig Unterstützung (siehe Seite „Hilfen“).
Was hilft und auch mir geholfen hat:
- machen Sie zwischendurch bewusst Pausen von der Suche
- setzen Sie sich kleine, erreichbare Schritte (z. B. ein Anruf pro Tag)
- erinnern Sie sich daran, dass Absagen Teil des Prozesses sind – so schwer das auch ist
Viele Betroffene machen auf diesem Weg ähnliche Erfahrungen.
Das folgende Beispiel: „Die lange Suche nach dem Therapieplatz: Zwei Betroffene erzählen“ -
zeigt, wie unterschiedlich die Suche verlaufen – und dass es trotz Schwierigkeiten weitergehen kann.
Zwischenlösungen (wenn es nicht sofort klappt)
Auch wenn noch kein fester Therapieplatz verfügbar ist, bedeutet das nicht, dass Sie komplett ohne Unterstützung bleiben müssen.
Es gibt Möglichkeiten, die Zeit zu überbrücken und sich dennoch Hilfe zu holen.
Mögliche Zwischenlösungen sind z.B.:
- psychotherapeutische Sprechstunden
- Beratungsstellen
- Selbsthilfegruppen
- seriöse Online-Angebote
- ambulante Unterstützungsangebote (z. B. Ambulant psychiatrische Pflege)
- Soziotherapie
- sozialpsychiatrische Dienste
- Angebote von Trägern wie der Lebenshilfe oder ähnlichen Einrichtungen
Gerade ambulante Unterstützungsangebote können eine große Hilfe sein, wenn sie auch keine Therapie ersetzen.
Sie können aber erst einmal dabei helfen, die eigene Situation besser zu verstehen um eine erste Entlastung zu erreichen und sich weniger allein zu fühlen.
Häufig werden sie vom Hausarzt verordnet und Termine sind oft schneller verfügbar als ein Therapieplatz.
Besonders wertvoll ist es, das diese Art der Unterstützung in ihrem Lebensalltag – teilweise auch bei Ihnen zu Hause – stattfindet.
Das kann besonders entlastend sein, wenn es Ihnen schwerfällt, den ersten Schritt nach außen zu machen.
Wichtig dabei ist:
- - diese Angebote ersetzen keine Psychotherapie
- - sie sind eine erste Unterstützung, um sich weniger allein zu fühlen.
- - aber sie begleiten dabei, wieder an Stabilität zu gewinnen
- - sie helfen, den Alltag besser bewältigen zu können
- - Sie dürfen all diese Angebote nutzen, ohne das Gefühl zu haben, dass Sie es alleine nicht gekonnt hätten.
Freilich sind es nur Zwischenschritte und noch keine endgültige Lösung.
Aber genau dafür – zur Überbrückung sind sie auch gedacht.
Wenn Sie sich für einzelne Angebote näher interessieren, folgen Sie den nachstehenden, weiterführenden Informationen, oder orientieren Sie sich über weitere entsprechende Online-Angebote.
Weiterführende Informationen:
- Bundespsychotherapeutenkammer → Psychotherapeutensuche
- bundesweite Übersicht der Selbsthilfegruppen → NAKOS
- Lokale Selbsthilfekontaktstellen, wie z. B. Der Paritätische
- Stiftung Deutsche Depressionshilfe:
- jregional organisiert, → KISS = Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfegruppen
- Ambulante psychiatrische Pflege → Informationen
- Soziotherapie → Informationen
- Sozialpsychiatrische Dienste → Informationen
Wenn die Kraft fehlt
Da die Suche nach einem Therapieplatz oft viel Energie kostet, wird es für viele zu einem Problem, da es daran bei Depressionen oft fehlt.
Telefonate führen, Absagen verarbeiten, neue Versuche starten – all das kann schnell überfordern. Deshalb braucht es hier Unterstützung um das alles zu organisieren und sich Hilfe zu holen.
Deshalb gilt:
- Sie müssen das nicht alleine schaffen.
- Holen Sie sich Unterstützung - z.B. eine vertraute Persondie bei Anrufen hilft
- jemand, der gemeinsam mit Ihnen nach Kontakten sucht
- Sie zu ersten Terminen begleitet
- Ihnen hilft, die nächsten Schritte zu Strukturieren und zu gehen
Manchmal reicht es schon, nicht alleine vor dieser Aufgabe zu stehen.
Wichtig zu wissen:
Hilfe anzunehmen ist weder ein Zeichen von Schwäche noch von Versagen.
Es ist ein sinnvoller Schritt, wenn die eigene Kraft gerade nicht ausreicht.
Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen.
Es darf Zeit brauchen
Die Suche nach einem Therapieplatz kann anstrengend und frustrierend sein, da sie oft länger, als man es sich am Anfang vorstellt hat.
Vielleicht haben Sie schon viele Versuche hinter sich und vielleicht stehen Sie noch ganz am Anfang.
Beides ist in Ordnung.
Es gibt keinen „richtigen“ Weg und keinen festen Zeitplan, den Sie einhalten müssen.
Manche finden schnell einen Platz, andere brauchen mehrere Anläufe.
Wichtig ist nicht, wie schnell es geht, sondern dass Sie sich auf überhaupt den Weg gemacht haben.
Auch kleine Schritte zählen:
- ein Anruf
- eine Anfrage
- ein erster Termin
- oder sich Unterstützung zu holen
- all das sind Schritte nach vorne.
Selbst wenn es zwischendurch stockt oder schwerfällt, bedeutet das ja nicht, dass es nicht weitergeht.
- Sie dürfen und müssen sogar Pausen machen.
- Sie dürfen und sollten sich Unterstützung holen.
- und Sie dürfen und müssen Ihren eigenen Weg in Ihrem eigenen Tempo gehen.
Auch wenn der Weg dorthin manchmal holprig ist, nicht immer gerade verläuft und manchmal auch Umwege bereithält – am Ende finden auch Sie einen passenden Platz
Ein persönlicher Gedanke:
Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie zäh und entmutigend diese Suche sein kann, wie schnell man das Gefühl bekommt, nicht weiterzukommen und man alles einfach nur hinwerfen will.
Gerade deshalb ist jeder kleine Schritt wichtig – auch dann, wenn er sich im Moment kaum danach anfühlt.
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