Typische „Fallen“ im Alltag entstehen besonders gerade dann, wenn Sie nach der Diagnose „Depressionen“ Ihr Leben neu ordnen, erste Schritte gehen und erste Erfolge erleben. Gerade auf diesem Weg begegnen Ihnen oft schwer erkennbare „Stolpersteine“, die sich nicht selten hinter scheinbar positiven Dingen verbergen. Im Folgenden möchte ich aus meiner Erfahrung heraus über ein paar wichtige Dinge berichten und Ihnen hilfreiche Anregungen zum Umgang damit geben: - falsch bewertete Gefühkssituationen
- Rückzug und Isolation
- Grübeln und Gedankenkreisen
- zu hohen Erwartungen an sich selbst
- sich selbst negativ bewerten
- alles alleine schaffen wollen
- sich mit anderen vergleichen
- Zusätzlichen Belastungen, die oft übersehen werden sind:
- Energiediebe
- Falsche Propheten
- Ignoranz
- Toxische Menschen
- Ignoranz im Umfeld
- Eigene Fehlinterpretationen
Diese Muster erkennt man oft erst im Nachhinein – und erst dann, wenn man beginnt, sich bewusster mit sich selbst auseinanderzusetzen. |
1. Eine der gefährlichsten Fallen sind falsch bewertete Gefühlssituationen. Sie begegnen uns ständig in Form von Stimmungsschwankungen und erfordern, dass wir lernen, richtig damit umzugehen. Unsere krankheitsbedingten „Hochs“ und „Tiefs“ sind anfangs fordernd, jedoch keine un-überwindliche Hürde – und kein Grund, das eigene Leben „wegwerfen“ zu wollen. So ungewohnt es erscheinen mag: Betrachten Sie diese Schwankungen als „Gäste“, die Sie nicht eingeladen haben und nur begrenzt beeinflussen können. Lernen Sie, sich in „Tiefs“ nicht völlig „hängen zu lassen“, sondern sie als Rekonvaleszenzzeit – also als eine Phase der Erholung – zu verstehen, in der Sie sich vorübergehend ausruhen. Ihre Aktivitäten sollten Sie dabei nicht vollständig einstellen, sondern mit gutem Gewissen etwas reduzieren – und den Blick auf den nächsten Stimmungsaufschwung richten. Denn auf ein „Tief“ folgt ebenso ein „Hoch“, wie es umgekehrt der Fall ist. |
7. Zusätzliche Belastungen, die oft übersehen werden Neben den eigenen Gedanken und Gefühlen gibt es auch äußere Einflüsse, die eine Depression verstärken können – oft ohne dass man sie sofort erkennt. Dazu gehören zum Beispiel:
- Energiediebe – sind eine weitere, oft unterschätzte Falle. Sie schleichen sich nicht selten auch durch eigenes, unbewusstes Zutun in unser Leben ein.
Da durch sinkendem Selbstwert häufig der Wunsch entsteht, durch Helfen Aner-kennung und Bestätigung zu gewinnen, geben wir Kraft und Energie an andere ab – nicht selten an Menschen, die dies bewusst ausnutzen. Machen Sie sich klar: Sie sind mehr als die Summe Ihrer Fähigkeiten und zu wertvoll, um sich durch ständige Erwartungen wie „Kannst du mal …“ vereinnahmen zu lassen. Setzen Sie Grenzen und schützen Sie sich vor Menschen, die Ihnen mehr Energie nehmen, als sie Ihnen geben. Hinweis: Einen verständlichen Zugang bietet das Buch: "Stachlige Persönlichkeiten" von "Jörg Berger", das typische Verhaltensmuster aufzeigt und hilfreiche Strategien zur Abgrenzung vermittelt . Überforderung durch Helfen (Betreuung) Eine besonders gefährliche Falle entsteht, wenn Sie in die Rolle des „Helfenden“ gedrängt werden – etwa durch die Übernahme einer ehrenamtlichen Betreuung für Angehörige oder nahestehende Personen. Gerade bei Depressionen kann dies eng mit einem Helfersyndrom verbunden sein: Der Wunsch, gebraucht zu werden, gibt kurzfristig Bestätigung – führt aber langfristig oft zu massiver Überforderung. Eine Betreuung bedeutet weit mehr, als zunächst erkennbar ist: hoher Zeitaufwand, dauerhafte Verantwortung, organisatorischer und bürokratischer Druck sowie eine stetige emotionale Belastung. Häufig stehen Sie dabei trotz vermeintlicher Unterstützung weitgehend allein da. Die Folge: Eigene Bedürfnisse treten immer weiter in den Hintergrund, Kraft und Energie schwinden – und die eigene Erkrankung kann sich deutlich verschlechtern. Klare Empfehlung: Übernehmen Sie keine ehrenamtliche Betreuung – insbesondere nicht in einer belastenden Lebensphase oder aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus. Richten Sie Ihr Helfen stattdessen bewusst auf sich selbst: Ihre Stabilität, Ihre Gesundheit und Ihre Genesung haben oberste Priorität. Wenn Unterstützung notwendig ist, setzen Sie sich für eine professionelle, amtliche Betreuung ein – nicht für Ihre eigene dauerhafte Überforderung. Mit Klick auf: Mein eigenes Beispiel einer fast 3jährigen Betreuertätigkeit können Sie ausfürlich nachlesen, wie gewaltig die Aufnahme einer Betreuertätigkeit ins eigene Leben einschlägt, wie sehr sie immer mehr Zeit beansprucht und Ihnen immer weniger Zeit und Raum für Ihre eigenen Belange lässt - Falsche Propheten - sind eine weitere Falle: Gut gemeinte Ratschläge wie „Reiß dich zusammen“ oder „Denk einfach positiv“ helfen nicht – sie erhöhen nur den Druck und verstärken das Gefühl, nicht verstanden zu werden.
Auch „Insider-Tipps“ von Mitbetroffenen sind mit Vorsicht zu betrachten. Viele stehen selbst noch am Anfang und übertragen ihre eigenen Erfahrungen vorschnell auf andere – obwohl jede Depression individuell verläuft und nicht einfach übertragbar ist. Nehmen Sie solche Aussagen daher nicht ungeprüft an. Gehen Sie Ihren Weg bewusst und mit Bedacht – und orientieren Sie sich an verlässlichen, fachlich kompetenten Begleitern. Seien Sie sich dabei immer bewusst: Sie selbst sind ein wichtiger Teil Ihrer eigenen Orientierung. Nutzen Sie Informationen aus Gesprächen, Literatur oder auch Selbsthilfegruppen – aber prüfen Sie, was wirklich zu Ihnen passt. (Mehr dazu: Umgang mit gut gemeinten, aber belastenden Ratschlägen) - Ignoranz - ist eine weitere belastende Falle: Manche Menschen blenden aus, was sie nicht verstehen oder was ihnen unangenehm ist. Von ihnen sind weder echtes Verständnis noch hilfreiche Unterstützung zu erwarten.
Das kann – auch im eigenen Umfeld wie Familie, Freundeskreis oder Beruf Beziehungen spürbar belasten. Umso wichtiger ist es, dies früh zu erkennen. Vermeiden Sie es, mit solchen Menschen Gespräche über Ihre Erkrankung zu führen, da sie nur ins Leere laufen und zusätzliche Frustration erzeugen. Merksatz: Sehen Sie sich – auch mit Ihrer Erkrankung – als den wertvollen Menschen, der Sie sind und machen Sie sich nicht abhängig von der Haltung anderer. Gehen Sie Ihren eigenen Weg und suchen Sie Unterstützung dort, wo echtes Verständnis vorhanden ist – etwa bei Fachleuten oder in Selbsthilfegruppen, in denen Erfahrungen und hilfreiche Strategien geteilt werden.
- Toxische Menschen - wirken dauerhaft negativ, übern nur Druck aus, zeigen wenig bis gar kein Verständnis und verschärfen die eigene Situation nur noch mehr.
(Mehr dazu: Grenzen setzen und sich schützen) - Ignoranz im Umfel - begegnet BEtroffenen immer dann, wenn unser Erleben nicht ernst genommen wird. Dadurch entsteht und verstärkt sich das Gefühl damit allein zu sein und oft auch ein vermeintlicher Druck, sich erklären zu müssen.
(Mehr dazu: Umgang mit fehlendem Verständnis) - Eigene Fehlinterpretationen - passieren dann, wenn wir in der Depression Situationen oft negativer bewertet, als sie tatsächlich sind.
Missverständnisse oder falsche Schlussfolgerungen können dadurch verstärkt werden. (Mehr dazu: Gedanken überprüfen und neu einordnen) - Aber Achtung! Auch „Hochs“ können zur akuten Gefahr werden – insbesondere dann, wenn wichtige Lebensgrundsätze ignoriert werden, etwa durch eigenständiges Absetzen notwendiger Medikamente, das Abbrechen laufender Therapien oder das Nichtwahrnehmen ärztlicher Behandlung.
Halten Sie es aus, wenn ein „Tief“ Sie erwischt – und verstehen Sie es als notwendige Pause. Ordnen Sie diese Phasen als natürliche Erholungszeiten ein und lassen Sie es gelassen zu, bis das nächste „Hoch“ folgt. Unterstützen Sie sich dabei bewusst, z. B. durch kleine Spaziergänge oder kurze Auszeiten mit einem kleinen „Highlight“. Bleiben Sie dabei „stur vernünftig“: Halten Sie Ihre Medikation ein, nehmen Sie vor allem Ihr Arzt- Termine wahr und holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung durch vertraute Personen, um „Bodenkontakt“ zu behalten. Gelingt es Ihnen, einen „Höhenflug“ rechtzeitig zu begrenzen, fällt auch das folgende Stimmungstief deutlich milder aus. Wer seine „Höhenflüge“ bewusst begrenzt, glättet seine Stimmungskurve, reduziert tiefe Abstürze und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur eigenen Lebensqualität. Aus (m)einer Langzeitbeobachtung zeigt sich: Stimmungsschwankungen entwickeln oft ein eigenes Muster. Beobachten Sie Ihre Stimmungsverläufe über längere Zeit – ggf. mit einem einfachen „Stimmungstagebuch“ – dann erkennen Sie Ihr persönliches Muster. Dadurch wirken Ihre Schwankungen weniger unberechenbar und Sie fühlen sich ihnen nicht mehr so ausgeliefert. In Abhängigkeit von bestimmten Auslösern (Triggern) werden Veränderungen zunehmend einschätzbar und treffen Sie nicht mehr unvorbereitet. Mit dieser Erfahrung gewinnen Sie mehr Sicherheit, bessere Erträglichkeit und die Möglichkeit, gezielter gegenzusteuern – weil Sie sich nicht mehr im „Überraschungsmodus“, sondern in einer vertrauten Situation befinden. |