Wie werden Depressionen behandelt und welche Möglichkeiten gibt es, den eigenen Weg aus der Erkrankung zu finden?
Depressionen sind gut behandelbar – auch wenn es sich für Betroffene oft anders anfühlt.
Es gibt verschiedene Wege der Behandlung, die je nach Situation und Schweregrad unterschiedlich kombiniert werden können. Dazu gehören sowohl schulmedizinische und alternative Ansätze als auch Veränderungen eigener Verhaltensmuster und Lebensweisen.
Der entscheidende, erste Schritt ist, die Erkrankung anzunehmen und den Willen zu entwickeln, etwas zu verändern. Gerade das fällt vielen am Anfang besonders schwer. Umso wichtiger ist es zu wissen: Schon kleine Schritte in diese Richtung können erste spürbare Entlastung bringen und den weiteren Weg erleichtern.
1. Psychotherapie und ergänzende Behandlungsformen
Ein zentraler Bestandteil der Behandlung von Depressionen ist die Psychotherapie.
Hier geht es darum, Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster besser zu verstehen und Schritt für Schritt zu verändern.
Zu den häufig eingesetzten psychotherapeutischen Verfahren gehören:
- Verhaltenstherapie → hilft dabei, negative Denkmuster zu erkennen und aktiv zu verändern sowie neue Verhaltensweisen im Alltag zu entwickeln
- Tiefenpsychologisch fundierte Therapie → beschäftigt sich mit inneren Konflikten und deren Ursachen, die oft unbewusst das Erleben und Verhalten beeinflussen
- Analytische Therapie → geht noch stärker in die Tiefe und betrachtet die persönliche Lebensgeschichte sowie langfristige - Prägungen
- Gesprächstherapie (klientenzentrierte Therapie nach Carl Rogers) → stellt das offene Gespräch in den Mittelpunkt und unterstützt dabei, eigene Gefühle besser wahrzuneh-men und zu verarbeiten
Ergänzend können – je nach individueller Situation – weitere Behandlungsformen einbezogen werden. Dazu zählen auch neuere oder unterstützende Verfahren wie:
- Transkranielle Magnetstimulation (TMS) → ein nicht-invasives Verfahren, bei dem bestimmte Bereiche des Gehirns durch Magnetimpulse angeregt werden, was nicht nur in der Depressions- sondern auch in der Schalganfallbehandlung eingesetzt werden kann.
Was ist TMS und wie funktioniert sie?
Sehen Sie sich dazu auch die sehr gut zusammengefassten Informationen im Video (1:57 Minuten) an, das Sie mit Klick auf das nebenstehende Bild starten können.
Hier werden Ihnen:
- das Prinzip vorgestellt
- die wichtigsten Fragen beantwortet
- der Behandlungsablauf vorgestellt.
Laut Prof. Dr. Dr. Rene’ Hurlemann (Direk-tor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Oldenburg) geht man heute davon aus, dass die Depression eine „Netzwerkerkrankung“ ist.
Die TMS- Behandlung wirkt auf die Hirnoberfläche und setzt sich in tiefere Hirnregionen fort. Sie führt dazu, dass sich Hirnregionen wieder besser vernetzen.
„Durch die Magnetstimulation wird diese Netzwerkerkrankung wieder korrigiert – wieder normalisiert.
Das ist ein Effekt, der nach ca. 3 Wochen zu beobachten ist. Die Vorteile der TMS liegen auf der Hand: es ist ein nicht invasives Verfahren was schnell wirkt, was nicht weh tut und was sehr nebenwirkungsarm ist."
- wenige Minuten Behandlungsdauer pro Tag
- 10 Sitzungen pro Woche 4-6 Wochen lang
- der Patient ist während der Behandlung wach und ansprechbar
- alltägliche Aktivitäten sind nach der Behandlung möglich
- Vagusnervstimulation (VNS) → ein medizinisches Verfahren, bei dem über einen implantierten Impulsgeber der Vagusnerv stimuliert wird.
Darüber hinaus können auch alternative Ansätze, zum Beispiel aus der Naturheilkunde oder Homöopathie, eine Rolle spielen. Welche Kombination von Methoden als hilfreich erlebt wird, ist individuell sehr unterschiedlich.
Ziel ist es, neue Denk- und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, den Umgang mit belasten- den Situationen zu verbessern und langfristig mehr Stabilität im Alltag zu erreichen.
Neben der Psychotherapie können auch Medikamente ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein.
Vor allem sogenannte Antidepressiva werden eingesetzt, um Stimmung, Antrieb und innere Stabilität zu verbessern.
- Antidepressiva machen nicht abhängig
- die Wirkung setzt meist erst nach einigen Wochen ein
- die Auswahl und Dosierung erfolgt individuell durch einen Arzt
Medikamente können bei Depressionen eine wichtige Unterstützung sein. Es gibt verschiedene Arten von Antidepressiva, die unterschiedlich wirken:
- SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) → Häufig eingesetzte Medika-mente, die den Serotoninspiegel im Gehirn beeinflussen und meist gut verträglich sind.
- SNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) → Wirken zusätzlich auf Nor-adrenalin und können insbesondere bei Antriebslosigkeit hilfreich sein.
- Trizyklische Antidepressiva → Ältere, gut wirksame Medikamente, die heute meist eingesetzt werden, wenn neuere Präparate nicht ausreichend helfen.
- MAO-Hemmer → beeinflussen den Abbau von Botenstoffen im Gehirn (z. B. Serotonin und Noradrenalin) und können so die Stimmung verbessern. Sie werden heute seltener eingesetzt, kommen aber vor allem dann in Betracht, wenn andere Antidepressiva nicht ausreichend wirken. Während der Einnahme sind teilweise bestimmte Ernährungs- und Wechselwirkungsregeln zu beachten.
- eine Zusammenfassung: Arten von Antidepressiva – einfach erklärt
- ein Medikamentenverzeichnis
Sie sollten Medikamente nie eigenständig und abrupt absetzen.
Dies kann nicht nur zu deutlichen körperlichen und psychischen Reaktionen führen, sondern in einzelnen Fällen auch langfristige oder bleibende Folgen nach sich ziehen.
Aus meiner Erfahrung in der Selbsthilfearbeit weiß ich, dass ein eigenständiges Absetzen immer wieder vorkommt – oft aus Unsicherheit oder aufgrund von Nebenwirkungen. Umso wichtiger ist es, diesen Schritt niemals allein zu gehen.
Veränderungen der Medikation, eine schrittweise Reduzierung oder auch ein mögliches Beenden sollten immer in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen.